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Plädoyer
für eine Neukonzeption der Ausbau-/Neubaustrecke Hannover – Hamburg / Bremen
(„Y-Trasse“) |
|
- Eine Anmerkung zum
Bundesverkehrswegeplan - |
1.
Kurzfassung
1.1 Stichpunkte
Statt Bau einer
Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen in teilweiser freier und zudem
umwegereicher Streckenführung über Visselhövede - Lauenbrück wie es die
derzeitige Planung des Bundesverkehrswegeplans vorsieht besser Bau der Strecke
auf direktem Weg in Bündelung mit den Autobahnen A7/A27 bis Hamburg bzw.
Bremen. Gegebenenfalls zunächst Verzicht auf Bau eines Streckenastes in
Richtung Bremen oder Konzeption dieses Streckenastes als eingleisige Strecke.
1.2 Ziele
·
Verkürzung der Fahrzeit Hannover - Hamburg um ca. 25 min (-
30 min) von heute 75 min auf zukünftig ca. 50 min.
·
Erzielung eines ähnlich hohen Fahrzeitgewinns wie bei der
erfolgreichen Neubaustrecke Nürnberg - München; bei geringeren Baukosten und
größeren Einwohnerzahlen der beteiligten Städte.
·
Verkürzung der Fahrzeit Hannover - Hamburg um weitere 10 min
gegenüber der derzeitigen Planung.
·
Verkürzung der Entfernung Hannover - Hamburg um ca. 26 km
von heute 178 km auf zukünftig ca. 152 km. (Bzw. Verkürzung um weitere 11 km
gegenüber der derzeitigen Planung.)
·
Erhöhung der Streckenkapazität insbesondere zwischen
Hannover und Hamburg durch vollständige Trennung von Fernverkehr einerseits
sowie Güter- und Regionalverkehr andererseits
·
Vermeidung der Bildung eines neuen Kapazitätsengpasses im
Streckennetz der Bahn, wie es die derzeitige Planung mit Einfädelung der
Neubaustrecke bereits 50 Km vor Hamburg in die stark befahrene Strecke Bremen -
Hamburg zur Folge hätte
·
Optional Verkürzung der Fahrzeit Hannover - Bremen um 15 min
von heute 60 min auf zukünftig ca. 45 min durch Bau eines zusätzlichen (ggf.
eingleisigen) Streckenastes in Richtung Bremen.
·
Möglichkeit der Mitbenutzung der Strecke durch den
Güterverkehr; insbesondere bei Fortführung der Strecke bis in den
Güterverkehrsknoten Lehrte
·
Möglichkeit der Anbindung der Region Walsrode / Soltau /
Lüneburger Heide an die Neubaustrecke
·
Vermeidung von Landschaftszerschneidungen im Bereich der
westlichen Lüneburger Heide durch die Möglichkeit einer weitgehenden Bündelung
mit bestehenden Verkehrswegen
·
Verbesserung des Nutzen/Kosten - Verhältnisses des
Projektes; bei ca. 30 % höheren Baukosten ca. 60 % höherer Nutzen
·
Durch Bau von nur knapp 30 km zusätzlicher Flachland-Eisenbahnstrecke
deutliche Aufwertung des Projektes
·
Stärkung des Verkehrsträgers Schiene durch gute statt durch
mittelmäßige Infrastruktur
1.3 Kurzbeschreibung
Vergleicht man die derzeitige Planung des BVWP 92 / 2003, bei der von
Hannover aus kommend die Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen bereits ca. 50
km vor Hamburg in die Strecke Bremen - Hamburg einfädelt, mit einer denkbaren
Alternativvariante, die auf direktem Weg entlang der Autobahn A 7 bis nach
Hamburg führt, so weist letztere Variante deutliche Vorteile auf:
1. Durch die stärkere Streckenverkürzung und die Umfahrung weiterer
Ortschaften sowie ungünstig trassierter Altstreckenabschnitte wären deutlich
kürzere Fahrzeiten zwischen Hannover und Hamburg bzw. Bremen möglich als bei
der derzeitigen Planung. Zwischen Hannover und Hamburg (-Schleswig-Holstein)
wäre eine Verkürzung der Fahrzeit von knapp einer halben Stunde möglich, was
etwa dem Wert der Neubaustrecke Nürnberg - München entsprechen würde.
Demgegenüber ließe sich bei Verwirklichung der derzeitigen Planung nur ein
Fahrzeitgewinn zwischen Hannover und Hamburg von ca. 15 min erreichen, was
gemessen am Umfang des Projektes als zu gering erscheint.
2. Durch Führung der Neubaustrecke direkt bis Hamburg
würden die bestehenden Kapazitätsengpässe besser behoben als bei der
derzeitigen Planung mit Einfädelung der Strecke bereits 50 km vor Hamburg in
die Strecke Bremen - Hamburg, da nur im ersten Fall zwei zusätzliche (und vom
vorhandenen Streckennetz unabhängige) Gleise bis direkt in den Knoten Hamburg
zur Verfügung stehen würden. Demgegenüber hätte die derzeitige Planung mit Bau
einer Neubaustrecke von Hannover zur Strecke Bremen - Hamburg nur eine
Verlagerung des Kapazitätsengpasses von der Strecke Hannover - Hamburg auf die
bereits stark belastete Strecke Bremen - Hamburg zur Folge, die dann ab der Einmündung
der Neubaustrecke bei Lauenbrück sowohl die Züge aus Bremen als auch die aus
Hannover aufnehmen müsste.
Auch bei einer Betrachtung der Wirtschaftlichkeit
erscheint diese Variante kostengünstiger als die derzeitige Planung, da
gemessen am Aufwand ein deutlich höherer Nutzen erreicht werden könnte als bei
Umsetzung der jetzigen Planung: Ca. 50-70 % höherer Fahrzeitgewinn bei nur ca.
30 % größerem Investitionsvolumen. (Und sollten bei der derzeitigen Planung
zusätzlich zur eigentlichen Y-Trasse noch weitere, bisher nicht betrachtete
Ausbaumaßnahmen notwendig sein (Ausbau/Neubau der Strecke Lauenbrück -
Buchholz, würde sich diese Relation noch weiter verbessern.)
Darüber hinaus bietet die hier vorgeschlagene
Alternativvariante bessere Möglichkeiten für zukünftige Erweiterungen bzw. für
einen abschnittsweisen Bau: Z.B.: 1. H.-Isernhagen - HH.-Harburg [Kernstrecke];
2. Abzw. in Ri. Bremen, 3. Anbindung Knoten Lehrte [Güterverkehr], 4. Anbindung
Walsrode / Soltau / „Lüneburger Heide“ [Regionalverkehr].
Die hier beschriebene Variante [die der Variante 3
des Raumordnungsverfahrens ähnelt] weist keine eisenbahnbetrieblichen Nachteile
gegenüber der derzeitigen Planung auf; der rechte Streckenast wird bildlich
gesprochen sozusagen nur etwas langgestreckt und direkt an Hamburg angebunden.
Sämtliche Züge, die diesen Streckenast befahren, kommen somit im Vergleich zur
derzeitigen Variante ohne weitere Zu- und Abflüsse ebenfalls in Hamburg an,
„nur“ eben direkt und ohne Umweg und ca. 10 Minuten früher. Mehr ändert sich
nicht.
Damit weist diese Variante sämtliche Vorteile der
derzeitigen Y-Trasse auf, bietet aber einen um knapp 70 % höheren
Fahrzeitgewinn im ICE-Verkehr und vermeidet darüber hinaus Kapazitätskonflikte
mit der Strecke Bremen - Hamburg.
Variantenvergleich
– Tabelle
|
|
BVWP 92
/ 2003 |
Alternativvariante |
|
Fahrzeitverkürzung Hannover
- Hamburg |
15 min |
25 min
(+ 67 %) |
|
Fahrzeitverkürzung Hannover
- Bremen |
10 min |
15 min
(+ 50 %) |
|
Streckenverkürzung Hannover
- Hamburg |
15 km |
26
km (+ 73 %) |
Streckenverkürzung Hannover - Bremen |
(3 km
länger) |
2 km |
|
Ausweitung
der Streckenkapazität |
ja, aber mit Einschränkungen |
ja |
Streckenlänge Neubau / Ausbau |
92 km Neubau + 22 km Ausbau |
121 km Neubau + ggf. 35 km eingl. Neubau |
1.4 Skizze

|
Die farbigen Linien stellen die Planungen des BVWP 2003 dar; die
eingezeichnete gestrichelte Linie die Alternativplanung [Quelle
Karte: BMVBS, BVWP 2003] Bau des Streckenastes in Richtung Bremen in Abhängigkeit der
verkehrlichen Erfordernisse. Zu beachten ist, dass der IC Hannover - Bremen
zur Zeit in Nienburg und Verden hält und somit die Neubaustrecke nicht nutzen
könnte. Bei zusätzlicher Auslegung der Strecke für den Güterverkehr südlich
von Hamburg Bau einer Verbindungskurve zur Güterzugstrecke in Richtung
Rangierbahnhof Maschen; im Raum Hannover ggf. Verlängerung der Strecke und
Verknüpfung mit der Strecke Lehrte - Hannover [in beide Richtungen] bzw. der
Strecke südl. oder nördl. von Lehrte. Ggf. Verzicht auf Ausbau des Abschnitts
Lüneburg - Stelle. Bei Walsrode und Soltau ggf. Bau von Verknüpfungen zur Anbindung der
(zu elektrifizierenden) Nebenbahn Walsrode - Fallingbostel - Soltau an die
Neubaustrecke. [Bzw. alternativ ggf. Bau von Haltepunkten direkt an der
Neubaustrecke.] |
2.1 Ausgangslage
Die
Strecke Hannover - Hamburg weist sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr ein
hohes Verkehrsaufkommen auf. Sie verbindet die zweitgrößte Stadt Deutschlands,
Hamburg, sowie Schleswig-Holstein und darüber hinaus die skandinavischen Länder
mit Hannover (Niedersachsen), Hessen und dem gesamten süddeutschen Raum. Im
Fernverkehr spiegelt sich das in der Einbindung in zahlreiche IR/IC/ICE-Linien
wieder (z. Zt. ca. 3 Züge pro Stunde und Richtung):
1. Hamburg -
Hannover - Kassel - Würzburg - Nürnberg - Ingolstadt - München
2. Hamburg -
Hannover - Kassel - Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - München
3. Hamburg -
Hannover - Kassel - Frankfurt - Mannheim - Karlsruhe - Freiburg - Basel
Durch Bau
der festen Fehmarnbelt Querung wird die Bedeutung der Strecke zukünftig auch
international noch zunehmen.
Im
Nahverkehr wird die Strecke Hannover - Hamburg ebenfalls von zahlreichen
Regionalexpress- und Regionalbahnlinien genutzt. Aufgrund der unterschiedlichen
Fahrgeschwindigkeiten Nahverkehr/Fernverkehr führt dies hier jedoch zu
Einschränkungen (Erfordernis von Überholungen, kaum noch Möglichkeiten zu
Taktverdichtungen).
Auch im
Güterverkehr ist die Strecke von großer Bedeutung (Verbindung
Süddeutschland - Rangierbahnhof
Maschen, - Hamburg, - Hamburger Häfen, - Skandinavien). Aufgrund der nicht
ausreichenden Streckenkapazität kommt es hier ebenfalls zu Einschränkungen.
Diese Problematik wird sich in Zukunft durch den zu erwartenden weiteren
Aufschwung des Hamburger Hafens noch verschärfen („Hinterlandverkehr“).
Historisch
bedingt ist die Strecke Hannover - Hamburg eine der Bahnstrecken mit einem
vergleichsweise großen Umwegeverhältniss im Streckennetz der Deutschen Bahn.
Gegenüber der Luftlinienentfernung (Hbf. - Hbf.) von ca. 130 km und der
Autobahnentfernung von ca. 150 km beträgt die Entfernung mit der Bahn über
Celle, Uelzen und Lüneburg fast 180 km. Trotz längerer 200 km/h - Abschnitte
erzwingt dieser Umweg für die vergleichsweise kurze Distanz Hannover - Hamburg
eine Fahrzeit selbst des ICE von deutlich über einer Stunde.
Die
Strecke Hannover - Hamburg im Vergleich mit anderen Verbindungen
|
Verbindung |
Fahrzeit
|
Entfernung |
Reisegeschwindigkeit |
|
Hamburg - Köln |
4 h 00 min |
461 km |
115 km/h |
|
Hamburg - München |
5 h 36 min |
778 km |
139 km/h |
|
Hamburg -
Hannover |
1 h 15
min (heute) |
178 km |
142 km/h |
|
Hamburg - Frankfurt |
3 h 35 min |
515 km |
144 km/h |
|
Berlin - Leipzig |
1 h 07 min |
168 km |
150 km/h |
|
Berlin - Hannover |
1 h 38 min |
255 km |
156 km/h |
|
Hamburg - Hannover |
1 h 00 min (BVWP 2003) |
163 km |
163 km/h |
|
Nürnberg - München |
1 h 02 min |
171 km |
165 km/h |
|
Berlin - Hamburg |
1 h 36 min |
286 km |
179 km/h |
|
Hamburg -
Hannover |
50 min
(Alternative) |
152 km |
182 km/h |
|
Hannover - Göttingen |
32 min |
99 km |
186 km/h |
|
[Hamburg
- Hannover |
45 min (Alternative) |
152 km |
203 km/h]* |
|
Tokyo - Osaka |
2 h 15 min |
515 km |
211 km/h |
|
Köln - Frankfurt-Flugh. |
48 min |
169 km |
211 km/h |
|
Siegburg/Bonn - Frankfurt-Flugh. |
40 min |
144 km |
216 km/h |
|
Paris
- London |
2 h 15 min |
490 km |
218 km/h |
|
Madrid -
Zaragoza |
1 h 21
min |
307 km |
228 km/h |
|
Peking
- Tianjin |
30 min |
117 km |
234 km/h |
|
Paris - Brüssel |
1 h 20 min |
314 km |
236 km/h |
|
Madrid - Bacelona |
2 h 38 min |
621 km |
236 km/h |
|
Taichung - Zuoying (Taiwan) |
44 min |
180 km |
245 km/h |
|
Paris -
Marseille |
3 h 02 min |
750 km |
247 km/h |
|
Kokura -
Hiroshima |
46 min |
192
km |
250 km/h |
|
Lorraine TGV
- Champagne TGV |
36 min |
168 km |
279 km/h |
|
(Peking
-) Wuhan - Guangzhou |
3 h 08
min |
968 km |
309 km/h |
* vmax. = 300
km/h
2.2 Die bisherige Planung im
Vergleich zu denkbaren Alternativvarianten
Der BVWP 2003 sieht zwischen Hannover und
Hamburg/Bremen den Bau einer 92 km langen Neubaustrecke und einer 22 km langen
Ausbaustrecke mit einem Investitionsvolumen von ca. 1,3 Mrd EUR vor.
Die Neubaustrecke soll von Hannover (Isernhagen) bis
Lauenbrück verlaufen, wo Verknüpfung mit der Hauptstrecke Bremen - Hamburg in
Richtung Hamburg erfolgen soll. Zuvor gibt die Strecke bei Visselhövede einen
Ast zur Strecke Uelzen - Langwedel - Bremen für Züge in Richtung Bremen ab. Der
22 km lange Abschnitt Visselhövede - Langwedel soll zweigleisig ausgebaut und
elektrifiziert werden.
Zwischen
Hannover und Hamburg würde sich so ein Fahrzeitgewinn von ca. 15 min, zwischen
Hannover und Bremen von ca. 10 min ergeben. Die Streckenlänge Hannover -
Hamburg wäre um ca. 15 km kürzer, die Streckenlänge Hannover - Bremen um ca. 3
km länger als heute.
Zu
Bedenken ist bei dieser Planung jedoch, dass durch die Verlagerung des Verkehrs
Süddeutschland - Hannover - Hamburg auf die Strecke Ruhrgebiet - Bremen -
Hamburg hier einer neuer Kapazitätsengpass entstehen würde, da die Strecke
Bremen - Hamburg dann ab der Einmündung der Neubaustrecke bei Lauenbrück sowohl
die Züge der Relation Ruhrgebiet - Bremen - Hamburg als auch die Züge der
Relation Süddeutschland - Hannover - Hamburg aufnehmen müsste. [Belegung der
Strecke durch dann bis zu 4 IC/ICE - Züge je Stunde und Richtung sowie Züge
verschiedener Linien des Nahverkehrs und eines Teils des Güterverkehrs
Ruhrgebiet - Rangierbahnhof Maschen / Hamburg / Hamburger Häfen / Skandinavien.]
Damit
würde die Entlastung der Strecke Hannover - Hamburg durch eine Belastung der
Strecke Bremen - Hamburg erkauft, verbunden mit dem Nachteil, das dann nur noch
eine Strecke [statt vorher zwei] neben anderen Zugleistungen den gesamten
ICE-Verkehr von und nach Hamburg aufnehmen müsste. Im Grunde genommen würde
diese Planung damit statt der Lösung eines Kapazitätsproblems nur dessen
Verlagerung bewirken; u. U. sogar mit einer Verschärfung der Problematik.
Hierzu mag
auch folgender Kommentar aus den offiziellen Planungsunterlagen zur Y-Trasse
des BVWP aufschlussreich sein [zitiert nach dem Bundesverband
Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. / Bürgerinitiative Y-Nein.de]. Es
wird festgestellt:
"Insgesamt
zeigen sich in der Variante 1 nur sehr begrenzte Möglichkeiten für eine
Integration einer stündlichen Regionalverkehrslinie, [...] Insgesamt zeigt sich
also, dass gravierende Fahrplanausschlüsse auftreten. Dies unterstreicht, dass
- [...] - ein viergleisiger Ausbau insbesondere des Abschnitts Lauenbrück - Buchholz
zu fordern wäre."
Ebenso
aufschlussreich mögen einige Zitate aus der Studie „Ertüchtigung
des norddeutschen Eisenbahnnetzes für den
wachsenden Schienengüterverkehr“ sein [Siefer / Kollenberg, Institut für Verkehrswesen,
Eisenbahnbau und -Betrieb, Universität Hannover 2007]. Im Kapitel zur Y-Trasse
heisst es dort:
„Die Realisierung der
Y-Trasse wird sich durch die beschriebenen Konflikte in den Bereichen
Lauenbrück und Buchholz sogar negativ auf den Güterverkehr zwischen Hamburg und
Bremen bzw. Hamburg und dem Ruhrgebiet auswirken können“.
Und zur Anbindung des Hamburger Hafens heisst es weiter:
„Die Nutzung der Y-Trasse ist erst
nach Fahrt über ca. 50 km auf vorhandenen Strecken möglich, die bereits eine
durchschnittliche Belastung aufweisen. D. h. eine echte Kapazitätserhöhung ist
nicht gegeben.“
Zusammenfassend wird in der Studie u. a. konstatiert:
„Wie in der Studie gezeigt
wird, verbindet die Y-Trasse nicht Eisenbahnknoten miteinander, sondern vorhandene
Verbindungsstrecken zwischen den Knoten. Hierdurch werden weitaus geringere
neue Kapazitäten geschaffen, als wenn die Knoten selbst direkt miteinander
verbunden würden“ und weiter
„Die durchgeführten
Untersuchungen der derzeitigen Streckenbelastungen und die zu erwartende
Nachfragesteigerung führen zu dem Ergebnis, dass die vorgesehene Y-Trasse und
der dreigleisige Ausbau der Strecke Hamburg – Hannover im Abschnitt Stelle –
Lüneburg nicht zu der notwendigen Kapazitätssteigerung für den Güterverkehr
führen“ sowie
„Um mit der Y-Trasse weitere
Kapazitätssteigerungen für den Güterverkehr zu erzielen, sind der Ausbau des
Abschnittes Lauenbrück – Buchholz von drei auf vier Gleise und im Raum
Isernhagen eine Verbindung zur Strecke Celle – Lehrte notwendig.“
Demgegenüber
verspricht der Bau einer durchgehenden Neubaustrecke in Bündelung mit der
Autobahnen A 7 bis Hamburg-Harburg wesentliche Vorteile:
Fahrzeiten
Durch die
weitere Verkürzung von Fahrstrecken, die Schaffung einer fast durchgehend neuen
Bahnverbindung zwischen Hannover und Hamburg und die Umfahrung weiterer
Ortschaften sowie ungünstig trassierter Altstreckenabschnitte sind ca. 70 %
größere Fahrzeitverkürzungen möglich als bei der Variante des BVWP, bei welcher
teilweise über kurvenreiche Altstreckenabschnitt gefahren werden müsste sowie
ein Umweg durch die westliche Lüneburger Heide beschrieben würde.
So würde
sich bei Fahrt über eine direkte Neubaustrecke die Fahrzeit Hannover - Hamburg
von heute 75 min um ca. 25 - 30 min auf
nur noch ca. 45 min - 50 min verkürzen lassen; im Falle Variante des BVWP wäre
hingegen nur eine Verkürzung um ca. 15 min auf ca. 60 min möglich. Mit nur 30
km zusätzlicher Länge der Neubaustrecke [120 km statt 90 km; 33 % Mehraufwand]
wäre also ein weiterer Fahrzeitgewinn von ca. 10 min [25 min statt 15 min; 66 %
Zugewinn] möglich.
Streckenkapazität
Durch das
Führen der Strecke von Hannover direkt bis Hamburg würde sich eine wesentlich
bessere Entlastung des bestehenden Streckennetzes und damit Ausweitung der
Netzkapazität erreichen lassen als wenn die Strecke bereits 50 km vor Hamburg
in die Strecke Bremen - Hamburg einfädeln würde. Nur im ersten Fall würden
tatsächlich zwei zusätzliche und vom vorhandenem Streckennetz unabhängige
Gleise bis direkt in den Knoten Hamburg zur Verfügung stehen. Der Bau einer
durchgehenden Neubaustrecke bis Hamburg-Harburg würde damit eine weitgehende
Trennung von IC/ICE-Verkehr einerseits und übrigen Verkehr andererseits von und
nach Hamburg ermöglichen. Die IC/ICE-Züge und die Züge des schnellen
Regionalverkehrs könnten bis Hamburg die Neubaustrecke nutzen, der langsamere
Regional- und Güterverkehr könnte auf der Altstrecke verbleiben.
Anbindung Bremen
Durch Bau
eines ca. 35-40 km Streckenastes in Richtung Bremen sind hier
Fahrzeitverkürzungen von ca. 15 min möglich [statt nur 10 min bei der
derzeitigen Planung]. Da die Verbindung Hannover - Bremen zur Zeit nur alle 2
Stunden von einem IC/ICE ohne Halt befahren wird, kann dieser Ausbau ggf. auch
zu einem späteren Zeitpunkt bzw. als eingleisige Strecke erfolgen.
Aufgrund
der topographischen Gegebenheiten ist dieser Streckenabschnitt vermutlich der
kostengünstigste des gesamten Projekts, da die parallele Autobahn A27 fast
gerade durch flaches Land verläuft.
Die Möglichkeit, den 35-40 km langen Streckenast eingleisig
auszulegen, ergibt sich durch die vergleichsweise kurze Fahrzeit von nur 12
min. Damit könnten trotz Eingleisigkeit immer noch mindestens 2 Züge je Stunde und Richtung verkehren. (Ab der
Einmündung des (eingleisigen) Bremer Neubaustreckenabschnitts bei Langwedel
könnte dann jedoch ein 3- oder 4-gleisiger Ausbau des Abschnitts Langwedel -
Bremen zweckmäßig sein.)
Legt man
für einen eingleisigen Streckenast nach Bremen die Baukosten der Weddeler
Schleife zugrunde (19 km zweigleisig trassierte, eingleisig gebaute
Verbindungsstrecke zwischen Braunschweig und Wolfsburg mit Baukosten von 143
Mio EUR), könnten die Baukosten für diesen Abschnitt unter Umständen vergleichsweise
gering ausfallen.
Anbindung Lüneburger Heide
Darüber hinaus könnten bei Bau
einer durchgehenden Neubaustrecke auch die Städte Walsrode, Fallingbostel,
Soltau sowie der Naturpark Lüneburger Heide an die Strecke angebunden werden. Nach
Vorbild des „München - Nürnberg - Express“ könnte hier eine schnelle Regionalverkehrsverbindung
eingerichtet werden. Möglich wäre entweder eine Anbindung der (zu
elektrifizierenden) Nebenstrecke Walsrode - Fallingbostel -
Dorfmark - Soltau an die Neubaustrecke oder die Errichtung von Haltepunkten
direkt im Verlauf der Neubaustrecke. Eine Fahrt z.B. von
Hannover nach Walsrode oder von Hamburg nach Soltau würde nur noch ca. 30 min
dauern.
Güterverkehr
Neben der Schaffung zusätzlicher
Kapazitäten durch Entlastung des Bestandsnetzes (was sicher der Hauptvorteil
für den Güterverkehr wäre, s.o.) ließe sich bei einer zusätzlichen Auslegung
der Neubaustrecke für den Güterverkehr (Verwendung einer max. Überhöhung von
ca. 80 mm) auch hier eine weitere Kapazitätssteigerung, Verkürzung von
Fahrstrecke und -zeit sowie eine (nächtliche) Lärmentlastung der Anwohner an
den bestehenden Altstrecken erreichen. Denkbar wäre zu diesem Zweck auch eine
Verlängerung der Neubaustrecke entlang der Autobahn 7 im Raum Hannover bis
Anderten (+ 15 Km) und Verknüpfung mit der Strecke Hannover - Lehrte (Umfahrung
von Hannover Hbf im Güterverkehr).
Beschleunigung der Relation
Hamburg - Ruhrgebiet (Köln)
Im Zusammenhang mit dem geplanten
Aus-/Neubau der Verbindung Hannover - Bielefeld ließen sich die hohen durch Bau
von Neubaustrecken erzielbaren Fahrzeitgewinne ggf. auch für eine
Beschleunigung der Relation Hamburg – Ruhrgebiet (Köln) nutzen.
Bei Fahrt über Hannover und eine
dort anzulegende Verbindungskurve in Richtung Bielefeld-Hamm wären bei gleicher
oder sogar etwas kürzerer Entfernung Fahrzeitgewinne von bis zu einer Stunde
möglich. Ggf. könnte auch die denkbare Güterzugstrecke bis Anderten dieser
Verbindung dienen.
Realisierung in Baustufen
Aufgrund des zur Zeit für den Personenverkehr
vergleichsweise gering erscheinenden Nutzens des Baus eines Streckenastes in
Richtung Bremen* (und sofern dieser für den Güterverkehr nicht oder noch nicht
gebraucht wird) kann eine Verwirklichung des Projektes in Baustufen erfolgen:
1. Neubaustrecke H.-Langenhagen - HH-Harburg [120 km
Länge],
2./3. Abzweig in Richtung Bremen [35-40 km Länge]
2./3. Verknüpfungsstrecke in den Knoten Lehrte [15 km
Länge]
Damit wäre in einer ersten Baustufe im Vergleich zur
Planung des BVWP 2003 nur der Bau von knapp 30 km zusätzlicher
Flachland-Eisenbahnstrecke erforderlich. Zugleich könnte der 22 km lange
Aus-/Neubau des Streckenabschnitts Visselhövede - Langwedel entfallen (der
aufgrund des derzeitigen Zustandes der Strecke de facto einem Neubau gleich
käme).
Je nach
verkehrlicher Notwendigkeit könnte die Strecke Hannover - HH-Harburg dann in
einer 2. und/oder 3. Baustufe um einen eingleisigen Streckenast für den
Personenverkehr in Richtung Bremen und/oder eine Verlängerungsstrecke für den
Güterverkehr in den Knoten Lehrte ergänzt werden.
*Zur Zeit
verkehrt hier nur alle 2 Stunden ein IC/ICE-Zug ohne Zwischenhalt je Richtung.
Der 2-stündlich wechselnd dazu verkehrende IC-Zug hält in Nienburg und Verden
und könnte somit die Neubaustrecke nicht nutzen. (Zusammen bilden ICE und IC
zwischen Hannover und Bremen einen Stundentakt.)
Effizienzsteigerung
Als Nebeneffekt würde sich durch die
größere Streckenverkürzung und die stärkere Homogenisierung der Fahrgeschwindigkeiten
ein geringerer Energieverbrauch im Zugbetrieb ergeben als bei der Variante des
BVWP. Aufgrund der geringeren Fahrzeit wären zur Erbringung der gleichen
Verkehrsleistung außerdem weniger Züge erforderlich. Damit würde eine
Bahnverbindung auf direktem Weg auch zur Effizienzsteigerung im Eisenbahnverkehr
beitragen. Ähnlich wie heute bereits im Strassenverkehr müsste gegenüber dem
derzeitigen Zustand bzw. der Planung des BVWP bei jeder Zugfahrt eine Umweg von
ca. 26 km bzw. 11 km zukünftig nicht mehr gefahren werden.
Zukunftssicher
Der Bau
der Strecke in der vorgeschlagenen Variante ist „zukunftssicherer“, dass
heisst, es wird nicht wie im Falle der derzeitigen Planung ein Zustand
entstehen, der über Jahrzehnte möglicherweise unbefriedigend bleibt.
Insbesondere die kurzen Fahrzeiten zwischen Hannover und Hamburg wären bei
einer Verwirklichung der derzeitigen Planung zukünftig in keinem Falle
mehr erreichbar, da der fahrzeitverlängernde Umweg dauerhaft im Streckennetz
bestehen bliebe.
Ein
Vergleich mit anderen Projekten zeigt, dass sich hier „Zukunftssicherheit“ z.
B. zu maximal den halben Kosten von Stuttgart 21 + Neubaustrecke
(8 Mrd EUR) erreichen ließe; bei einem vermutlich mindestens ebenso
hohen Nutzen hinsichtlich Fahrzeitverkürzungen und Steigerung von
Streckenkapazitäten.
Vergleich man die Alternativvarianten hinsichtlich
der erforderlichen Baumaßnahmen und -kosten mit der Variante des BVWP 92 bzw.
2003, so ergibt sich das folgende Bild:
|
Alternativvariante,
1. Baustufe |
Alternativvariante,
1. und 2. Baustufe |
BVWP 92 /
2003 |
|
121 km zweigleisiger Neubaustrecke Hannover -
HH-Harburg |
121 km zweigleisiger Neubaustrecke Hannover -
HH-Harburg + 35 km eingleisige Neubaustrecke Abzweig Bremen |
92 km zweigleisiger Neubaustrecke Hannover - Lauenbrück + 22 km zweigleisige Ausbaustrecke Visselhövede - Langwedel + ggf. 24 km viergleisige Ausbaustrecke Lauenbrück - Buchholz + ggf. 20 km dreigleisige Ausbaustrecke Buchholz - HH-Harburg + ggf. [29 km dreigleisige Ausbaustrecke Lüneburg -
Stelle] |
|
1,5 Mrd EUR
Baukosten |
1,9 Mrd
EUR Baukosten |
1,3 -
1,9 Mrd EUR Baukosten |
Tabelle erweitert mit detaillierten Baukosten, siehe hier. Gewisse
Kostensteigerungen sind bei solchen Projekten erfahrungsgemäß nicht
auszuschließen.
Wie die Aufstellung zeigt, ist damit ein Bau der
Alternativvariante nicht notwendigerweise kostenaufwendiger als die Variante
des BVWP. Dies gilt insbesondere dann, wenn bei der derzeitigen Variante
nachträglich noch ein Ausbau weiterer Strecken erforderlich werden sollte.
Würde man in die obige Aufstellung auf Seiten des
BVWP die Kosten von 230 Mio EUR für den dreigleisigen Ausbau der Strecke
Lüneburg - Stelle einbeziehen (die als vermeidbare Doppelinvestition bei Bau
einer Neubaustrecke Hannover - Hamburg im Grunde genommen entfallen könnte), so
könnte sich die Variante des BVWP unter Umständen letztlich sogar als die
teurere Lösung erweisen.
b) hinsichtlich der
Wirtschaftlichkeit bezüglich des
Fahrzeitgewinns im Fernverkehr
Setzt man den Nutzen einer
durchgehenden Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen nur hinsichtlich des
Fahrzeitgewinns im Fernverkehr in Beziehung zu den Baukosten und vergleicht
das Ergebnis mit den Planungen des BVWP 2003, so ergibt eine einfache Relationsrechung
folgendes Ergebnis:
|
|
Alternativvariante, 1. Baustufe
|
Alternativvariante, 1. und 2. Baustufe
|
BVWP 92 / 2003 |
|
Nutzen [= Fahrzeitgewinn
x Zahl der IC/ICE - Linien] |
25 min für 2 Linien |
25 min für 2
Linien + 15 min für 0,5
Linien |
15 min für 2
Linien + 10 min für 0,5
Linien |
|
Aufwand [= Baulänge
in km bzw. Baukosten in
Mrd EUR] |
121 km 1,5 Mrd EUR |
151 km 1,9 Mrd EUR |
92 km + 22 km* [+
„x“]** >1,3 Mrd EUR |
|
Nutzen / Aufwand [Relative
Einheiten] |
33,3 |
30,6 |
<26,9** |
* 92 km Neubaustrecke und 22 km Ausbaustrecke. Der Ausbau
der 22 km Altstrecke (zur Zeit eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn)
wurde vom Kostenaufwand als 11 km Neubaustrecke gerechnet. Damit entspricht die
Variante des BVWP im obigen Vergleich rechnerisch dem Baukostenäquivalent von
103 Km Neubaustrecke. [Zum Vergleich betrugen die Baukosten für den 23 Km
langen Abschnitt Leipzig - Gröbers der Neubaustrecke Leipzig - Erfurt inkl.
einem Bahnhof 370 Mio EUR [16 Mio EUR / Km]; für die 300 km lange Neubaustrecke
des TGV Ost 3,13 Mrd EUR [10,4 Mio EUR / km]; für die ca. 150 + 70 km lange
NBS/ABS Berlin - Hannover 2,6 Mrd EUR [11,8 Mio EUR / km] und für die 104 Km
lange ABS Bebra - Erfurt 1,0 Mrd EUR [9,6 Mio EUR / Km].]
** Ist nachträglich ein zusätzlicher Ausbau weiterer
Strecken erforderlich, so würde die BVWP-Variante noch ungünstiger abschneiden.
Legt man für den Streckenast in Richtung Bremen ein Reisendenäquivalent von
einer ICE-Linie zugrunde, so ergibt sich das folgende Bild, siehe hier.
Wie die Tabelle zeigt, erreichen damit sämtliche
Varianten der Alternativlösung nicht nur einen höheren absoluten Nutzen
(Fahrzeitgewinn x Verkehrsaufkommen), sondern auch einen höheren spezifischen
Nutzen (Fahrzeitgewinn x Verkehrsaufkommen / Investitionsaufwand) als die
derzeitige Variante.
Berücksichtigt man darüber hinaus, dass nur durch Bau
einer durchgehenden Neubaustrecke Hannover - Hamburg-Harburg eine wirksame
Entlastung des bestehenden Streckennetzes erreicht werden kann (sowie ggf. ein
neues Angebot im Regionalverkehr geschaffen werden kann), so dürfte der Nutzen
der Alternativlösung in jedem Fall höher als der Nutzen der derzeitigen
Variante sein.
2.4 Denkbare Streckenführung der Alternativlösung
Die Trasse folgt von Hannover-Isernhagen bis
Hamburg-Harburg bzw. Langwedel (- Bremen) weitgehend dem Verlauf der
Autobahnen A 7 / A 27. Am Autobahndreieck Walsrode (km 35) verzweigt sich die
Strecke in einen Hamburger und einen Bremer Ast.
Der Hamburger Ast erreicht bei km 120 das Hamburger
Stadtgebiet und fädelt kurz vor Erreichen des Bahnhofs Hamburg-Harburg bei km
121 in die bestehende Strecke Hannover - Hamburg ein. (Bzw. nutzt in diesem
Abschnitt die aufgelassene ehemalige Trasse der Strecke Bremen - Hamburg bis
HH-Harburg.) Zusätzlich kann bei km 65 Verknüpfung mit der Strecke Bremen -
Soltau - Uelzen (Herstellen der Fahrbeziehung Hamburg - Soltau) und bei km 110
mit einer Güterzugstrecke in Richtung Rangierbahnhof Maschen erfolgen.
Der Bremer Ast erreicht vor (bei km 70´ = km 35´ ab Abzweig)
bzw. in Langwedel (bei km 75´ = km 40´ ab Abzweig) die Strecke Hannover -
Bremen. Zuvor kann (bei km 43´) Verknüpfung mit der Nebenstrecke Hannover -
Walsrode erfolgen. In Abhängigkeit der kapazitativen Erfordernisse ist auch
eine Verlängerung dieses Streckenastes bis auf das Bremer Stadtgebiet (+ 22 km)
oder ein mehrgleisiger Ausbau des Abschnittes Langwedel - Bremen denkbar.
Bei einer verstärkten Nutzung der Neubaustrecke durch
den Güterverkehr ist darüber hinaus im Raum Hannover eine Verlängerung entlang
der A7 bis Anderten und Verknüpfung mit der Strecke Lehrte - Hannover (in beide
Richtungen) bzw. auch mit der Strecke südl. Lehrte davon denkbar (+ 15 km), um
den Knoten Hannover einschließlich Hbf umfahren zu können.
Im Gegensatz zur ursprünglichen Variante 3 des
Raumordnungsverfahrens, die der hier beschriebenen Lösung in Teilaspekten
ähnelt und die eine Anbindung der Strecke zwischen Winsen und Ashausen an die
Altstrecke Hannover - Hamburg vorsah, sollte die Strecke tatsächlich entlang
der A 7 / A 1 bis Hamburg-Harburg geführt werden, um eine möglichst große
Streckenverkürzung zu erzielen und die Vorteile der eigenständigen Trassenführung
auch im Zulauf auf den Knoten Hamburg voll nutzen zu können. Eine eigenständige
Trassenführung bis HH-Harburg ist nach Beurteilung mittels Topographischer
Karten möglich. [Bzw. wenn mitten durch das bebaute Berlin unter Abriss
dutzender Wohnhäuser ein Bau der Autobahn A100/A113 möglich ist (oder ein Abbau
von Braunkohle unter Abbaggerung ganzer Dörfer), sollte hier - ohne das Konflikte zu vorhandener
Bebauung zu bestehen scheinen -
ebenfalls ein Bau möglich erscheinen. Und selbst wenn hier auf wenigen
Kilometern keine ganz enge Bündelung mit der Autobahn möglich ist; im Falle der
derzeitigen Variante ist zwischen Walsrode und Lauenbrück überhaupt keine
Bündelung mit bestehenden Verkehrswegen möglich.]
Im gesamten Streckenverlauf ist bei Verwendung eines
Mindestradius von ca. 4 000 m größtenteils ist eine Bündelung mit der Autobahn
möglich. Soll die Strecke zusätzlich für den Güterverkehr ausgelegt werden,
wäre bei einem Mindestradius von > ca. 5 100 m auf einigen wenigen
Abschnitten eine gewisse Abweichung vom Verlauf der Autobahn notwendig. Dies
erscheint jedoch nicht von vornherein als Ausschlusskriterium, da die Variante
des BVWP über ca. 30 km in völlig freier Trassierung verlaufen würde, bei Bau
jeder neuen Autobahn in keinem Fall eine Bündelung mit vorhandenen
Verkehrswegen möglich ist und die Zerschneidungswirkung einer Autobahn ungleich
größer als die einer Eisenbahnstrecke ist. Aus diesen Erwägungen heraus könnte
daher die Strecke südlich von Hamburg u. U. auch abkürzend und mit einem
größerem Mindestkurvenradius über ca. 20 km in abweichender Lage zur Autobahn
geführt werden.
Selbstverständlich ist
- wie sämtliche Altstrecken zeigen -
ein Mischverkehr (also Güter- plus ICE-Verkehr) auch bei einer Auslegung
der Strecke mit einem Mindestradius von nur 4 000 m möglich. Bei einer
baulichen Überhöhung von 100 mm (möglich sind bis zu 180 mm) und
unter Ausnutzung eines Überhöhungsfehlbetrages von 100 mm (max. 150 mm)
wäre dann immer noch eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 260 km/h (290
km/h) für ICE-Züge möglich. Sollte aus Gründen der Raumordnung abschnittsweise
nur eine sehr enge Bündelung mit der Autobahn durchsetzbar erscheinen, so ist
eine Streckenführung auf direktem Weg selbst bei einer Trassierung mit einem
noch kleinerem Mindestradius dem Bau der Variante des BVWP vorzuziehen. Selbst
bei Verwendung eines Mindestradius von nur ca. 3 000 m [oder noch weniger]
(Überhöhung = 100 mm; Überhöhungsf. = 100 (150) mm) wären bei einer
Höchstgeschwindigkeit von dann abschnittsweise „nur“ noch knapp 230
(250) km/h immer noch deutlich kürzere Fahrzeiten möglich als bei der
Umwegevariante des BVWP. (Zum Vergleich: Die Neubaustrecke Hannover - Würzburg
lässt bei einem Mindestradius von 5 100 m, einer maximalen Überhöhung von
80 mm und unter Ausnutzung eines Überhöhungsfehlbetrages von 100 mm
eine maximale Fahrgeschwindigkeit von bis zu 280 km/h zu. [Köln -
Rhein/Main: Mindestr. = 3350m, Überhöhung = 170 mm, Überhöhungsf. = 150 mm,
Vmax. = 300 km/h; Stuttgart - Ulm: Mindestr. = 2305 m, Vmax. = 250 km/h.])
3.
Zusammenfassung
Die
bisherige Konzeption der Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen mit Einbindung
50 km vor Hamburg in die Strecke Bremen - Hamburg ist keine zukunftsweisende
Lösung zum Ausbau des Streckennetzes der Eisenbahn zwischen Hannover, Hamburg
und Bremen, da sie trotz des nicht unerheblichen Bauaufwandes nur zu
vergleichsweise geringen Strecken- und Fahrzeitverkürzungen führt.
Auch das
Ziel der Lösung von Kapazitätsengpässen im Zulauf auf Hamburg wird nur zum Teil
gelöst, da durch die Verlagerung von Verkehren von der Strecke Hannover -
Hamburg auf die Strecke Bremen - Hamburg es dort zu neuen Kapazitätsengpässen
kommen kann.
Aus diesen
Gründen sollte eine Neubaustrecke besser direkt bis in den Knoten Hamburg
geführt werden.
Durch die
kürzere Streckenführung und die Umfahrung weiterer ungünstig trassierter
Altstreckenabschnitte wäre mit 25 min (- 30 min) ein wesentlich größerer
Fahzeitgewinn zwischen Hannover und Hamburg möglich als bei der bisherigen
Konzeption mit nur ca. 15 min.
Darüber
hinaus wird durch die Schaffung von 2 zusätzlichen und vom vorhandenem
Streckennetz unabhängigen Gleisen bis direkt in den Knoten Hamburg eine bessere
Erweiterung der Netzkapazität erreicht als wenn die Strecke bereits 50 km vor
Hamburg in die stark befahrene Hauptstrecke Bremen - Hamburg einmünden würde.
Im
Vergleich zur derzeitigen Planung ist für die hier skizzierte Lösung zwischen
Hannover und Hamburg zunächst nur der Bau von ca. 30 Km zusätzlicher
Flachland-Eisenbahnstrecke notwendig. Gemessen am Zusatz-Nutzen von ca. 67 % im
Personenverkehr [25 min statt 15 min Fahrzeitgewinn] sind diese
Mehraufwendungen von ca. 33 % [120 km statt 90 km Baulänge] wirtschaftlich. Und
da Eisenbahnstrecken nur alle Hundert Jahre gebaut werden und die Lage der
Strecken später nicht mehr korrigiert werden kann, erscheinen diese vergleichsweise
geringen Mehraufwendungen im Sinne einer auch langfristig guten Konzeption
nicht nur vertretbar, sondern geboten.
Zusammenfassung – Tabelle
|
|
BVWP 92 / 2003 |
Alternativvariante |
Ausweitung der Streckenkapazität |
ja, aber mit Einschränkungen |
ja |
|
Fahrzeitverkürzung Hannover - Hamburg |
15 min |
25 min |
|
Fahrzeitverkürzung Hannover - Bremen |
10 min |
15 min |
|
Streckenverkürzung Hannover - Hamburg |
15 km |
26 km |
|
Streckenverkürzung Hannover - Bremen |
länger als
vorher |
2 km |
Streckenlängen Neubaustrecke / Ausbaustrecke |
Neubaustrecke: 92 km Hannover -
Lauenbrück
Ausbaustrecke: 22 km Visselh. -
Langwedel + ggf. 24 km Lauenbr. -
Buchholz + ggf. 20 km Buchholz -
Harburg + ggf. 29 km Lüneburg - Stelle |
Neubaustrecke: 121 km Hannover - HH-Harburg +35 km Abzweig Bremen |
|
geschätzte
Baukosten |
1,3 - 1,9 Mrd EUR |
1,9 Mrd EUR |
4. Anmerkungen
Nebenbemerkung zur Trassenführung
Denkbare Anbindung der Städte Walsrode / Fallingbostel / Soltau an die
Neubaustrecke
Denkbare Verbesserungen im Fernverkehr Hamburg - Ruhrgebiet
Energieverbrauch im Zugverkehr am Beispiel der Strecke Hannover - Hamburg
Fahrzeiten im Regionalverkehr vor und nach Verwirklichung einer
Neubaustrecke
Fahrzeiten im Fernverkehr vor und nach Verwirklichung einer Neubaustrecke
[Vergleich der Investitionsvolumina Deutschland / europäische
Nachbarländer]
[Neubaustrecken in Europa; Quelle: LITRA]
5. Detailkarten zur Streckenführung
H - HH: 1
2 3 4 5 6 7 8 9 10 |
H - HB: 4b 5b 6b |
Güterzugumfahrung Hannover: 11 12 13 | als Panorama
[Studienskizzen
zur Abschätzung des Trassenverlaufs, verwendeter Mindestradius = ca. 4 000 m]
Hier kann man sich den denkbaren
Streckenverlauf entlang der Autobahn 7 auch in google maps ansehen; Startpunkt
Autobahndreieck Walsrode. Bei Verwendung eines Mindestradius von ca. 3000 m
(vmax. = 250 km/h) bzw. ggf. auch bis zu ca. 4000 m (vmax. = 290 km/h) kann dem
Verlauf der Autobahn weitgehend gefolgt werden. Der Kartenausschnitt lässt sich
durch Festhalten und Ziehen mit der linken Maustaste verschieben. Wird die
Karte nicht angezeigt, ggf. hier klicken.
6. BVWP 2003 [Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen]
ABS/NBS
Hamburg/Bremen - Hannover
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7. Zum Vergleich:
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